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Bereits im Vorfeld der gemeinsamen Irlandfahrt von RC Germania Düsseldorf und Düsseldorfer Ruderverein 1880 war klar, dass diese Tour unter sportlichen Aspekten einige Risiken barg. Anders als bei früheren Wanderfahrten sollte diesmal nicht auf den irischen Flüssen und Kanälen, sondern auf den Seen in Connemara und Kerry gerudert werden. Tatsächlich erwies sich dieses ruderische Neuland als ein schwieriges Revier.

Vor Ort wurde schnell klar, warum diese Gebiete nur wenigen Wanderruderern bekannt sind. Mit den mehrmals täglich auftretenden, zum Teil heftigen Regenschauern, hätte man sich ja noch arrangieren können, aber der stürmische Wind und die damit verbundenen, hohen Wellen verhinderten an den meisten Tagen die Ausfahrten auf den größeren Seen und in den Meeresbuchten. Die kleineren Seen erwiesen sich als zu flach und zu steinig, um in ihnen vernünftig rudern zu können. Wieder andere Seen waren mit dem Bootsanhänger gar nicht erst zu erreichen. So konnte während der zweiwöchigen Wanderfahrt nur an fünf Tagen tatsächlich gerudert werden. Dank der umwerfenden Schönheit der irischen Landschaft waren diese wenigen Ausfahrten dafür aber umso beeindruckender. Außerdem verblieb so mehr Zeit für Sightseeing oder um den örtlichen Einzelhandel zu unterstützen.

Immerhin konnten die 31 Fahrtenteilnehmer ausgiebig das Abladen, Aufriggern, Abriggern und erneutes Verladen der Boote trainieren. Wie sich herausstellte, funktioniert das am besten mit beschränkter Personenzahl und bei Starkregen. Wahrscheinlich, weil jeder dann schnell wieder ins Trockene möchte und deshalb zielstrebig arbeitet. So wurden bereits erste Überlegungen angestellt, in Zukunft aus Gründen der Effizienzsteigerung das Booteverladen im heimischen Bootshof unter einem laufenden Rasensprenger stattfinden zu lassen.

Als Ausgleich zum Rudern fanden sich allerlei alternative Sportarten: Über die Aran-Islands wurde im Regen geradelt, der 400m hohe Diamond-Hill im Connemara Nationalpark wurde bei Windböen von 100km/h bestiegen, im 14°C kalten Atlantik wurde gebadet und am Strand wurden mit unterschiedlichem Erfolg gymnastische Übungen gemacht. Gerade auch das tägliche, einarmige Reißen von Pints (Guinness, Smithwicks oder Cider) sorgte für gute Stimmung in der Truppe.

Auch die Bildung kam auf dieser Reise nicht zu kurz. So kennen nun alle Teilnehmer die Zebramuschel, die auch als Wander- oder Dreiecksmuschel bekannt ist. Diese invasive, ursprünglich vom Schwarzen Meer kommende Süßwassermuschelart kann natürliche Ökosysteme empfindlich stören, da sie sich stark vermehrt: Ein Weibchen kann pro Jahr bis zu eine Millionen Eier legen. Die befruchteten Larven schwimmen im freien Wasser, was ihre Entdeckung nahezu unmöglich macht. Die nur wenige Zentimeter große Zebramuschel filtert Plankton aus dem Wasser, das dann den Fischbeständen nicht mehr als Nahrung zur Verfügung steht, wodurch diese in ihrer Existenz bedroht sind. Sie heftet sich gerne an Bootsrümpfe oder reist im Larvenstadium als blinder Passagier bei Bootstransporten durch die Gegend. Inzwischen ist die Zebramuschel auch im Shannon und in einigen Seen in Connemara heimisch geworden, darf aber unter keinen Umständen in den Lough Leane im Killarney Nationalpark eingeführt werden! Um auf eben diesem See rudern zu können, bedurfte es also einer Sondergenehmigung. Und um diese zu erlangen mussten alle Ruderboote an einer Tankstelle unter Aufsicht eines Rangers mit einem Dampfstrahler gereinigt werden. Ein Schauspiel, über das sogar die Einheimischen herzhaft lachen mussten. Selten wurde wohl so viel Aufwand betrieben, um so wenige Kilometer zu rudern! Wenigstens wurden unsere Boote endlich einmal gründlich geputzt.

Alles in allem war die Irlandfahrt 2016 ein Abenteuer, das alle Teilnehmer sehr genossen haben. Die tollen Landschaften im wilden Westen Irlands und der großartige Zusammenhalt in der Gruppe machten diese Fahrt zu einem einmaligen Erlebnis. Und rudern kann man ja auch noch auf dem Rhein zu Hause...

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