header_180.jpg

 

 

 

Rudermaterial ist teuer. Ein neuer Doppelvierer kostet achtzehntausend Euro und ein einzelnes, neues paar Skulls schlägt mit vierhundert Euro zu Buche. Alle Vereinsmitglieder sind deshalb angehalten, sorgsam und schonend mit dem teuren Material umzugehen. Es ist unser Material und wir alle müssen mit unseren Mitgliedsbeiträgen für Reparaturen oder Ersatz bezahlen. Die Lektüre der nachfolgenden Empfehlungen für den verantwortungsvollen Umgang mit unserem Bootsmaterial sei daher nicht nur neuen Vereinsmitgliedern empfohlen.

I. Vor der Fahrt

Der sorgsame Umgang mit dem Bootsmaterial fängt bereits bei der richtigen Einschätzung der Wetterbedingungen an: Bei zu starkem Wind oder bei drohendem Gewitter geht der umsichtige Ruderer gar nicht erst auf‘s Wasser. Nur so können durch Wind und Blitzschlag hervorgerufene Gefahrensituationen konsequent vermieden werden. Natürlich kann man im Notfall auch entlang unserer Hausstrecke fast überall anlanden, allerdings birgt das auch immer Gefahren, nicht nur für das Bootsmaterial, sondern auch für die Gesundheit der Besatzung.

Bei Schnee und Eis sollte ebenfalls nicht gerudert werden. Rutscht ein Besatzungsmitglied beim Transport des Bootes zur oder auf der Bridge aus, sind böse Verletzungen und ein Totalschaden des Bootes wahrscheinlich. Bei Temperaturen um und unter 0°C muss damit gerechnet werden, dass die Bridge vereist ist. Selbst wenn die Bridge vor der Fahrt vom Eis befreit wird, kann die Bridge jederzeit von Wellen überspült werden und wieder vereisen. Ein für Mensch und Material sicheres Anlegemanöver ist dann nicht mehr gewährleistet.

Jede Bridgefahrt beginnt mit dem Heruntertragen der Skulls bzw. der Riemen. Dabei trägt jeder Ruderer jeweils nur ein Skulls oder einen Riemen in jeder Hand. Die Skulls werden am langen Arm mit den Blättern nach vorne und der Wölbung nach unten getragen (Schaufel nach oben).

Liegen die Skulls bzw. die Riemen auf der Bridge bereit, kann als Nächstes das Boot für die Fahrt vorbereitet werden. Nachdem es sorgsam aus der Stellage herausgehoben und in den Bootshof getragen wurde, wird es dort zunächst in Hängeböcke oder auf den Bootswagen abgelegt. Dabei ist auf eine stabile Lage des Bootes zu achten. Noch im Bootshof werden die Stemmbretter und das Fußsteuer eingestellt. Um spätere Turnübungen am Steg zu vermeiden, werden die Dollen auf beiden Seiten aufgedreht.

Der Bootsführer sollte sich zudem vom ordnungsgemäßen Zustand des gesamten Bootes überzeugen. Es sind meist die kleinen Dinge, die später einen großen Schaden anrichten können. Sind alle Rollsitze in Ordnung? Sind alle Ausleger fest angeschraubt? Hält der Knoten der Bugleine? Wenn man erst mal mit einer losen Bugleine in der Hand auf der Bridge steht und das eigene Boot davon schwimmen sieht, wird man sich fragen, warum man den Knoten der Bugleine vorher nicht noch einmal kontrolliert hat.

Sobald das Boot für die Fahrt bereit ist, wird es auf dem Bootswagen vom Bootshof über den Deich zum Steg geschoben. Die Mannschaft befindet sich dabei niemals zwischen den Auslegern, sondern schiebt oder zieht das Boot am Bug und am Heck.

Vor der Bridge wird das Boot mit den entsprechenden Kommandos des Bootsführers angehoben und anschließend vorsichtig auf den Steg getragen. Dabei muss auf die Treppenstufen geachtet werden. Bei niedrigem Wasserstand kann der untere, schräge und nasse Teil der zum Steg führenden Betonrampe rutschig sein. Generell empfiehlt es sich beim Tragen des Bootes kleine Schritte zu machen und möglichst ruhig und besonnen zu agieren.

Das Boot wird dann über die Rolle am Steg zu Wasser gelassen. Dabei sorgen zwei Besatzungsmitglieder links und rechts vom Boot dafür, dass das Boot gerade und mittig über die Rolle geführt wird. Während der Steuermann das Boot um die Ecke des Steges herumzieht, achtet ein weiteres Mitglied der Mannschaft darauf, dass der Bootsrumpf nicht gegen die Ecke des Steges schlägt. Idealerweise geschieht dies durch Abstoßen des Bootes an den Auslegern.

Nachdem das Boot zu Wasser gelassen wurde, wird der Bootswagen neben dem Aufgang zum Deich geparkt, so dass er nachfolgenden Mannschaften nicht im Wege steht und Unfälle mit Fahrradfahrern oder Fußgängern vermieden werden.

Die Skulls werden zuerst auf der Landseite eingelegt (an unserem Steg: Backbord = rot) und mit der Wölbung nach oben abgelegt, um eine möglichst feste Verbindung von Boot und Steg zu gewährleisten, und um unnötige Kratzer an den Ruderblättern zu vermeiden. Erst danach werden die wasserseitigen Skulls eingelegt (bei uns: Steuerbord = grün) und die Dollen geschlossen.

Während das Boot für das Einsteigen vorbereitet wird, kann es passieren, dass große, von vorbeifahrenden Schiffen aufgeworfene Wellen auf die Bridge treffen. In so einem Fall gibt der Bootsführer das Kommando, das Boot von der Bridge abzuhalten. Die Mannschaft sichert dann die wasserseitigen Skulls und hält das Boot an den Auslegern ab, so dass es nicht gegen die Kante des Steges schlagen kann. Nasse Füße müssen dabei billigend in Kauf genommen werden.

Bootsumgang 1

Bootsumgang 2

Bootsumgang 3

II. Während der Fahrt

Betrachten wir es mal ganz nüchtern: Selbst bei kleiner Schuhgröße bietet das Einstiegsbrett eines Ruderbootes nicht genügend Platz, um beide Füße auf eben diesem zu platzieren. Der Versuch führt unweigerlich dazu, dass man auf die Rollbahnen tritt und damit nicht nur das Bootsmaterial schädigt, sondern auch die eigene Stabilität verliert. Das sichere und materialschonende Einstiegsmanöver läuft vielmehr wie folgt ab:

Beim Kommando "Mannschaft fertig machen zum Einsteigen!" hält jeder Ruderer seine beiden Skulls mit der wasserseitigen (bei uns linken) Hand fest. Die Ruderblätter liegen auf dem Wasser und auf der Bridge auf und halten so das Boot stabil. Der wasserseitige (linke) Fuß wird zwischen (und nicht auf!) den Rollbahnen und vor dem Rollsitz auf das Einstiegsbrett gestellt. Das Körpergewicht lastet aber weiter auf dem landseitigen (rechten) Bein, um das Boot am Steg zu halten. Die landseitige (rechte) Hand stützt sich nahe des Auslegers am Dollbord ab. Sobald das Kommando "Mannschaft steigt ein!" erfolgt, wird das Körpergewicht auf das wasserseitige (linke) Bein verlagert und das Boot mit dem landseitigen (rechten) Bein vom Steg abgestoßen. Danach wird der landseitige (rechte) Fuß ohne Umwege nach vorne durchgeschwungen und auf dem Stemmbrett aufgesetzt – nicht auf dem Einstiegsbrett und auch nicht auf den Rollbahnen. Das Absitzen auf dem Rollsitz erfolgt durch die Beugung des wasserseitigen (linken) Beines. Abschließend wird der wasserseitige (linken) Fuß ebenfalls ohne weiter Umwege auf das Stemmbrett geführt.

Freund und Feind des Rheinruderers sind die Kribben. Freund, weil sie durch ihre umgekehrte Strömung eine leichte Fahrt stromaufwärts ermöglichen. Feind, weil sie zusätzliche Gefahren für Material und Besatzung darstellen. Eine zu sportliche Fahrweise kann schnell an einem Kribbenkopf enden. Dem Vorteil, die Hausstrecke einige wenige Minuten schneller absolvieren zu können, steht ein potentieller Bootsschaden in Höhe von mehreren Tausend Euro entgegen. Der verantwortungsvolle Steuermann lässt daher immer ausreichend Platz zwischen Boot und Kribbenkopf und sucht nicht nach der schnellsten, sondern nach der sichersten Fahrlinie. Er fährt auch sonst nicht zu weit unter Land und meidet Untiefen und Sandbänke, wohl wissend, dass vorbeifahrende Schiffe kurzfristig den Wasserstand erheblich absenken können.

Sollte ein Boot trotzdem mal aufsetzen, kann der Bootsführer den Befehl zum Aussteigen erteilen, um das Boot leichter und damit wieder flott zu machen. Wird ein solcher Befehl erteilt, muss die Mannschaft diesem sofort und ohne weitere Verzögerung Folge leisten. Ein „Ich muss mir aber erst die Schuhe ausziehen...″ ist nicht akzeptabel. Nasse Schuhe trocknen wieder. Ein Loch im Bootsrumpf nicht.

Beim Anlegen der Ruderboote am Steg lassen sich immer wieder die merkwürdigsten Szenen beobachten. Kaum hat das Boot angelegt, werden auch schon die Skulls im hohen Bogen auf die Bridge geschmissen und ohne Rücksicht auf die Bordwand und die Rollbahnen auf allen Vieren aus dem Boot gekrabbelt. Ein materialschonender und sicherer Ausstieg aus dem Ruderboot sieht anders aus:

Beim Kommando „Mannschaft fertig machen zum Aussteigen!″ werden wasserseitig (links) die Dollen aufgedreht. Beim Kommando „Mannschaft steigt aus!″ werden beide Skulls in die linke Hand genommen. Das wasserseitige Skull liegt dabei auf der Wasseroberfläche auf. Das landseitige Skull liegt mit der Wölbung nach oben auf dem Steg. Die rechte Hand stützt sich in der Nähe des Auslegers auf dem Dollbord ab. Der wasserseitige (linke) Fuß wird aus dem Stemmbrett genommen und auf dem Einstiegsbrett zwischen den Rollbahnen aufgesetzt. Anschließend stemmt man sich auf dem Wasserseitigen Bein (links) hoch, behält dabei aber nach wie vor beide Skulls in der linken Hand. Durch die Auflage auf der Wasseroberfläche und auf dem Steg kann so das Boot nach wie vor stabilisiert werden. Das Einstiegsbrett ist beim Aussteigen immer noch genauso groß – besser: genauso klein – wie beim Einsteigen. Daher sollte man erst gar nicht ausprobieren, ob eventuell auch der landseitige (rechte) Fuß noch auf diesem Platz findet. Vielmehr wird dieser direkt nach außen geschwungen und auf dem Steg abgesetzt. Das Körpergewicht wird auf das landseitige (rechte) Bein verlagert ohne dabei das Boot wieder vom Steg abzustoßen und das wasserseitige (linke) Skull wird bei der Ausstiegsbewegung mitgenommen, damit es nicht in der Strömung davon treibt.

Bootsumgang 4

Bootsumgang 7

Bootsumgang 8

III. Nach der Fahrt

Nachdem die Mannschaft sich sortiert hat, die Skulls auf der Ablage der Bridge sauber aufgereiht liegen und der Bootswagen bereitgestellt wurde, wird das Boot über die Rolle ausgehoben. Zwei Mannschaftsmitglieder führen das Boot dabei links und rechts an den Auslegern, damit der Kiel gerade und mittig über die Rolle läuft.

Der Bootsführer gibt die Kommandos zum Anheben des Bootes von der Bridge. Das Boot wird vorsichtig zum Bootswagen getragen und gerade und mittig auf diesem abgelegt. Anschließend wird das Boot über den Deich in den Bootshof geschoben. Die Mannschaft zieht und schiebt am Bug und am Heck und meidet die Bereiche zwischen den Auslegern.

Im Bootshof wird das Boot zunächst ausgeräumt und anschließend gereinigt. Dabei hilft die gesamte Mannschaft. Erst nachdem das Boot zusammen in die Bootshalle getragen worden ist, werden die Skulls bzw. Riemen von der Bridge geholt.

Die Reinigung der Boote ist eine Selbstverständlichkeit, an die man trotzdem immer wieder erinnern muss. Wir sollten unseren Ruderplatz so hinterlassen, wir ihn auch beim nächsten mal selber vorfinden wollen. Dazu gehört, dass jeglicher Müll aus dem Booten entfernt und Verschmutzungen im Bootsinneren gereinigt werden.

Da jeder auf seinem Rollsitz möglichst sanft gleiten möchte, sollte es ebenfalls eine Selbstverständlichkeit sein, die Rollbahnen den nachfolgenden Ruderern in einen tadellosen Zustand zu hinterlassen. Dafür liegen in unserer rechten Bootshalle Küchenschwämme bereit, mit denen die Rollbahnen nach jeder Ausfahrt zu reinigen sind.

Natürlich sollte das Boot auch nach jeder Ausfahrt von außen mit Wasser abgespritzt und mit den dafür bereitliegenden Mikrofasertüchern abgewischt werden.

Bevor das Boot dann wieder in die Bootshalle getragen wird, sind zunächst die Dollen mit den aufgeschnittenen Tennisbällen zu schützen. In der Bootshalle wird das Boot vorsichtig auf der Stellage abgelegt. Dabei ist darauf zu achten, dass das Boot nur auf dem Dollbord und nicht auf seinen Auslegern aufliegt.

Erst nachdem das Boot in die Bootshalle getragen worden ist, geht die gesamte Mannschaft ihre Skulls bzw. Riemen von der Bridge holen. Dabei nimmt jeder wieder nur ein Skull oder einen Riemen in jede Hand und trägt diese am langen Arm mit der offenen Seite nach oben zurück in die Bootshalle. Dort werden die Skulls vorsichtig in die dafür vorgesehene Aufhängung eingeführt. Wer sich nicht ganz sicher ist, wo die Skulls aufzuhängen sind, kann die Beschriftungen an den Aufhängungen mit denen auf den Skulls vergleichen. Deshalb sind die Skulls auch immer mit der Beschriftung nach vorne (lesbar) aufzuhängen. Außerdem ist darauf zu achten, dass die Ruderblätter nicht wild durcheinander hängen oder sich mit den benachbarten Blättern verhaken, sondern sauber hintereinander aufgereiht sind.

Sollte dem Bootsführer oder der Mannschaft irgendwelche Bootsschäden aufgefallen sein, müssen diese unbedingt im elektronischen Fahrtenbuch (EFA) vermerkt werden, auch wenn es sich dabei um kleiner Mängel handelt oder die Schäden bereits vorgefunden wurden. Nur gemeldete Schäden können behoben werden. Keine Sorge: Niemand wird für einen Schaden verantwortlich gemacht. Sollte die Schadensmeldung nicht eindeutig sein, wird sich der Bootswart bei Euch melden, um den Sachverhalt mit Euch zu klären.

Bootsumgang 6

Bootsumgang 2

Bootsumgang 5

IV. Auf Wanderfahrten

Auf Wanderfahrten muss man schon mal an einem Ufer ohne Steg anlegen. Um sicher zu sein, dass die auserkorene Stelle am Ufer auch wirklich für das Anlegen geeignet ist, empfiehlt es sich, dieser Stelle zuerst stromabwärts treibend zu inspizieren. Dabei ist vor allem auf größere Steine im flachen Wasser zu achten. Scheint die Stelle für das Anlegemanöver geeignet, wird das Boot gewendet und stromaufwärts angelegt.

Werden die Boote auf Wanderfahrten im freien über Nacht gelagert, sollten unbedingt die extra dafür gefertigten steckbaren Holzböcke verwendet werden, die an der linken Wand unserer rechten Bootshalle (Wanderruderhalle) gelagert werden. Diese Böcke könne relativ einfach transportiert, zusammen- und auseinander gebaut werden und erlauben die Lagerung der Boote mit ihrem Kiel nach oben. Damit sind sie vor eventuellen Witterungseinflüssen geschützt. Skulls, Steuer und Abdeckungen lassen sich unter den kieloben gelagerten Booten verstauen und sind somit ebenfalls geschützt.

Kehrt man von einer Wanderfahrt zurück, ist eine gründliche Reinigung der Ruderboote angezeigt. Dazu sind Boden- und Stemmbretter auszubauen und die Boote von innen und außen sauber zu machen. Wer dabei Chaos im Bootshof vermeiden will, kann sich an die Anleitung zur Bootsreinigung halten.

Sauba

Du hast nicht die Berechtigung Kommentare zu sehen oder zu schreiben

aequatorpreis

Ehren­tafel der Äquator­preis­träger

pokal

2. Platz beim Wett­bewerb um den Wander­ruder­preis des Deut­schen Ruder­ver­ban­des 2012 bis 2016

drv

Der Düssel­dorfer Ruder­verein 1880 e.V. ist Mit­glied des Deut­schen Ruder­ver­bandes