Ahoi!

Düsseldorfer Ruderverein 1880

Ruderkurs III/2026

von | 1. September 2026

Und dann gleitet der Rhein tatsächlich unter uns dahin. Oder wir über ihn hinweg? Egal, Semantik-Details spielen jetzt keine Rolle, denn für Sekunden fühlt sich das hier fast an wie fliegen. “Nach dem Anfängerkurs werdet ihr sagen können: Wir sind jetzt in der Lage, zu rudern”, hatte Andrea noch aufmunternd gesagt. Und jetzt glauben wir es fast wirklich: Alle sind im Takt, die Skulls tauchen sanft ein, und … zack, aus dem Takt gekommen, Krebs gefangen.

Nein, so richtig Rudern kann man auch nach der ersten und der zweiten Fahrt auf dem Rhein noch lange nicht. Und erst recht nicht nach den drei Anfängertagen im Neusser Hafenbecken, wenn abends die Knochen schmerzen und Stefans “Heu-Wä-Gel-Chen” noch nachts als Mantra im Ohr widerhallt. Doch dazu später. Wenn man Rudern lernen möchte, muss man auch ein bisschen leiden. Die Erkenntnis kommt den acht Neuen – vier Debütantinnen und vier Debütanten – recht schnell, als sie im Juli beim Düsseldorfer Ruderverein anheuern.

Dabei geht ja alles mit Vokabellernen los. Oder anders: Wer es in den Beinen haben will, muss es auch im Kopf haben. Die langen Dinger heißen nicht Ruder, sondern Skulls, lernen wir. Und die kommen in die Dollen, an den Auslegern. Stemmbrett, Trittbrett, Heck hinten, Bug vorn (Eselsbrücke: Dort ist oft ein Ball). Apropos Eselsbrücke: Die jahrelang gepflegte Merkhilfe, dass Backbord links und Steuerbord rechts ist, weil im Wort Steuer ein r (wie rechts) vorkommt, können wir direkt ad acta legen. Denn beim Ruderboot ist es genau umgekehrt – weil es auf die Position zur Fahrtichtung ankommt, lernen wir. Neues Wissen, mit dem man vielleicht auch mal bei “Wer wird Millionär” punkten kann. Zumindest aber bei der nächsten Party. Denkt man. Stimmt aber nicht. Versuche, Nicht-Ruderer aus dem privaten oder sonstigen Umfeld – Zivilisten quasi, wie wir sie in unserer Anfänger-Hybris schon heimlich zu nennen beginnen – ungefragt mit neu erlerntem Ruder-Jargon zu beeindrucken, werden erfahrungsgemäß eher mit Augenrollen quittiert.

Zurück zum Hafen, wo wir Jan Wellem und Anna Luisa die verblüffend steile Böschung zum Anleger hinunterschleppen. Dass die beiden Boote nach dem alten Barockfürsten und seiner Frau, die einst la dolce vita nach Düsseldorf brachte, benannt sind, hat Stil. Den ein oder anderen Busch skalpieren wir dennoch mit den Kielen, das bleibt nicht aus. Rudern kann auch Landschaftspflege sein.

Trotz neu erworbener Fachsprachkenntnisse sind wir noch nicht ansatzweise echte Ruderer. Das merken wir beim Einsteigen ins Boot. Ja, das ist so demütigend, wie es sich anhört: Der Einstieg in ein Ruderbooot kann für Menschen, die so etwas vorher selten bis nie gemacht haben, tatsächlich eine Herausforderung sein, die die meisten Leute (Zivilisten) wohl unterschätzen würden.

Dann die allerersten Züge. Fühlt sich schon gar nicht schlecht an. Sieht aber offenbar schlecht aus: Denn Stefan, Obmann in der Jan Wellem, korrigiert immer wieder. Und singt sein “Heu-Wä-Gel-Chen”, wenn wir mal wieder aus dem Takt geraten. Das hier ist in der Tat anspruchsvoller, als wir dachten. Obmann Christian in der Anna Luisa lässt ein kleines bisschen mehr durchgehen. Wir lernen von beiden wahnsinnig viel in kurzer Zeit (vielen Dank an dieser Stelle auch für die Geduld!). Irgendwann können wir die Boote wenden – über Steuerbord und Backbord – und lassen uns in die Kunst des Streichens einweihen, während unsere überforderten Newbie-Hirne in der prallen Sonne durchgebraten werden. Nach zwei Tagen sind wir nur noch zu siebt (aber hoffentlich ändert sich das schon bald wieder, und die Kursgruppe 3 ist wieder komplett). Und am dritten Tag – sämtliche Muskeln sind übel verkatert – sind wir wirklich durch. Aber verdammt glücklich. Und voller Vorfreude aufs richtige Rudern auf dem Rhein, das schon bald danach kommt – und auf die durchweg hochsympathischen Ruderkolleginnen und -kollegen, denen man beim Aprés-Rudern mit Blick auf Fluss und Brücke Gesellschaft leisten darf. “Rudern. Das ist ja wie das Leben selbst”, hatte Obmann Christian beim Anfängerkurs sinniert. Frei interpretiert: Mal gibts Wellengang, mal muss man gegen die Strömung ankommen – aber am Ende gleitet man doch irgendwie mehr oder minder elegant dahin. Und wenn’s richtig gut läuft, dann fühlt es sich manchmal fast an wie fliegen. Ahoi!